Der Service der Deutschen Bundesbahn – Ein Erfahrungsbericht

 

Das Vorhaben:

Ein Konzertbesuch mit 3 Personen in Frankfurt – Festhalle am Freitag den 10.12.04

Da die Festhalle in unmittelbarer Nähe vom Frankfurter Hauptbahnhof liegt, ist es sinnvoll mit der Deutschen Bundesbahn zu fahren. Unser Abreisepunkt ist Stadt Kreuztal bzw. Siegen.

 

Kapitel 1 – Der Ticketkauf

Um die bestmöglichen Hin und Rückfahrzeiten zu erfahren begebe ich mich nach Hilchenbach zum Bahnschalter, da man dort mit einem Bahnbeamten sprechen und die optimale Reisezeit festlegen kann. Anders, als wenn man die Tickets am Fahrkartenautomaten zieht. Ich schildere also dem Bahnbeamten unseren Plan, am Freitag gegen 17.00 Uhr in Frankfurt einzutreffen, und am Samstagmorgen gegen 1.00 Uhr in Frankfurt wieder abzureisen. Dieser schaut mich so seltsam fragend an, dass ich schon die ersten Zweifel bekomme, ob überhaupt ein Zug fahren wird. Ohne in den Computer zu schauen, gibt er mir mit einer abwinkenden Handbewegung zu verstehen, dass ich dieses Vorhaben wohl vergessen kann. Aber ich bohre nach… Es findet sich ein Zug, der in Siegen um 15.30 Uhr abfährt, und gegen 17.30 Uhr in Frankfurt ankommt. Das ist doch schon mal was! Ein Zug zurück fährt auch, aber schon um 21.22 Uhr, also mitten im Konzert. Das kann ich vergessen. Na gut, dann nehmen wir den nächsten. Der fährt um 5.22 Uhr und ist um 8.07 in Siegen. Das gibt eine lange Nacht. Aber wie lang und ungemütlich, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Ich will das ganze mit den anderen beiden besprechen und gehe wieder.

 

Das Vorhaben – Änderungen im Detail

Ok, da wir schon die ganze Nacht in Frankfurt verbringen müssen, können wir das auch richtig machen. Wir beschließen, noch einen Zug früher zu fahren, in Frankfurt den Weihnachtsmarkt zu besuchen, dann bis ca. 0.00 Uhr ins Konzert, anschließend in der Großstadt die Nacht durchmachen und um 5.22 Uhr wieder nach Hause fahren. Dürfte in so einer großen Stadt wie Frankfurt kein Problem sein…

Also gehe ich wieder zum Bahnschalter und erstehe 2 Tickets. Eines für Freitag. Abfahrt in Kreuztal um 13.03 Uhr, umsteigen in Siegen und ab nach Frankfurt. Und ein Schönes Wochenende Ticket für Samstag. Damit kann man Fahren wann und wohin man will. Wie sehr wir dies ausnutzen werden, entzieht sich noch unserer Vorstellung.

 

Kapitel 2 – Die Hinfahrt

Wir treffen uns um 12.45 Uhr in Kreuztal am Bahnhof. Zeit genug, denn der Zug kommt ja erst um 13.03 Uhr. Dachten wir…

Der Zug kommt schon um 12.48 Uhr. Zum Glück. Einsteigen und los geht eine Reise, die ich wohl nie vergessen werde. 10 min später sind wir in Siegen. Kurz Zigaretten holen, und schon sitzen wir im Zug nach Frankfurt. Na, das hat doch schon mal super geklappt. Tatsächlich, um 15.15 Uhr stehen wir in Frankfurt am Hauptbahnhof. Wo, bitte geht’s zum Weihnachtsmarkt?

2 recht unfreundliche Herren vom Ordnungsamt zeigen uns die Richtung. Nach 20 min Fußmarsch kommen wir dort an. Die Zeit vergeht wie im Flug. Um18.15 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Festhalle. Dort erleben wir ein erstklassiges und unvergessliches Rammstein Konzert. Nur leider ist dies schon um 23.00 Uhr zu Ende. Da haben wir uns nur um eine Stunde verschätzt. Die läppischen 6,22 Stunden bis zur Abfahrt sind in Frankfurt sicher kein Problem. Meinten wir… Wir sind noch optimistisch.

 

Kapitel 3 – Eine kalte Nacht in Frankfurt

Wir wurden schnell eines besseren belehrt. Selbst in Frankfurt ist nach Mitternacht Tote Hose. Nix los. Gar nichts los… Der erste Hunger kommt auf. Der McD im Bahnhof ist gnadenlos überlaufen. Aber beim Weihnachtsmarkt war ja noch ein McD. Also nix wie hin. Wir kommen um 0.10 Uhr ziemlich durchgefroren an. Hoffentlich hat der noch auf. Ja, hat er. 2 Burger verschlungen. Was nun? Um 1.00 Uhr macht der Laden dicht, und wir finden uns im S-Bahnhof wieder. Langsam wird es richtig kalt. Der Optimismus schwindet. Wir beschließen über die Meile zurück zum Bahnhof zu gehen. Im Bahnhof ist es wenigstens warm, und wir können uns hinsetzen. Die Blasen unter meinen Füßen schmerzen, aber die Kaiserstraße kann ich mir nicht entgehen lassen. Ich muss es ja nur noch bis zum Bahnhof aushalten, dann kann ich ausruhen. Mann ist das kalt hier… Einige Grad unter Null. Aber wo ist diese verflixte Kaiserstraße? Nach einigen Kilometern durch so ziemlich alle Nebenstraßen in diesem Viertel kommen wir dort an. Hier ist alles so dreckig und heruntergekommen. Furchtbar. Nun gut, vergessen wir das, gehen wir direkt zum Hauptbahnhof. Hinsetzen, eine Flasche Bier trinken, unsere mitgebrachten Lebensmittel vertilgen und im warmen Wartesaal auf den Zug warten. Ein guter Plan… fast perfekt.

Um 2.15 Uhr stehen wir am Haupteingang zum Bahnhof. Geschafft, endlich ins warme, meine Füße schmerzen und ich will mich nur noch setzen. Nur noch ein Druck gegen die riesige Tür und es ist geschafft. Leider funktioniert das nicht, da der Bahnhof abgeschossen ist. Wir suchen einen Nebeneingang. Den gibt es auch, aber der wird von 2 Sicherheitsleuten bewacht. Kein Einlass heißt es hier. Nur mit gültigem Zugticket. Das haben wir ja zum Glück schon vorher gekauft, sonst hätten wir wieder gehen dürfen. Wir dürfen rein. Endlich im Bahnhof, hinsetzen, ausruhen, aufwärmen und zur Toilette. - Denkste!!

In dem gesamten Bahnhofsgebäude gibt es nicht eine Bank. Die Restaurants haben geschlossen, ja selbst der Wartesaal ist zu. Und das in einem der größten Bahnhöfe Deutschlands. Der einzige Sitzplatz ist in einer dieser vollautomatischen Fotografie-Boxen. Aber da sitzt schon einer und pennt, sonst hätten wir uns den einen Hocker ja in ½ stündigem Wechsel geteilt. Schade auch. Noch 3 Stunden bis zur Abfahrt. Mann ist das kalt hier. Wir fahren mit der Rolltreppe nach ganz unten, wieder rauf und noch mal runter. Ganz unten im S-Bahnhof gibt es wenigstens eine Bank aus Metall, saukalt und unbequem. Aber endlich mal sitzen. Unter der ständigen Überwachung von zig Kameras kann man noch nicht mal eine Rauchen, immerhin ist zu allem übel auch noch überall Rauchverbot. Aschenbecher gibt es eh’ keine. Hier hält man es auch nicht lange aus, denn der Wind pfeift hier nur so durch, die Etage ist ja an beiden Seiten offen. Die Müdigkeit kommt. Noch 2 ¾ Stunden bis zur Abfahrt. Nach 5 min ausruhen fahren wir wieder rauf. In der mittleren Etage ist es 2-3 Grad wärmer und es zieht nicht so. Hier treffen wir auf zwei Mädels, die auf einer kalten Steintreppe sitzen. Nicht gerade gesund. Wir unterhalten uns bis 4.00 Uhr mit ihnen. Sie fahren mit einem Zug um 4.40 Uhr, die sind zu beneiden. Noch 1 ¼ Stunden bis zur Abfahrt. Dann macht endlich der McD wieder auf. Ca. 60 Leute, die außer uns auch noch auf ihren Zug warten, stehen bereits frierend davor. Endlich ins warme und setzen. Der McD ist genauso versifft und dreckig wie der Rest von Frankfurt. Von Reinigung haben die hier noch nie etwas gehört. Endlich eine Toilette. Die hat zwar auch schon seit längerem keinen Lappen gesehen, aber da muss ich jetzt durch. Also hier werde ich bestimmt niemals etwas essen, meine Krankheiten hole ich mir woanders. Es gibt nur einen Kaffee. Oder was auch immer das für ein Zeug in meinem Becher ist. Zumindest ist es heiß.

 

Kapitel 4 – Die Heimreise

Die Heimreise beginnt mit einem Besuch bei der Auskunft, um die Strecke und das Umsteigen festzulegen. Es geht hier los von Gleis 14 um 5.22 Uhr, fahren bis Gießen, Aufenthalt bis 6.23 Uhr. Weiter ab Gleis 11. Ankunft in Siegen 8.07 Uhr. Alles klar, los geht es. In etwa 3 Stunden sind wir Zuhause, endlich im warmen Bett liegen und lange schlafen. Der Zug setzt sich pünktlich in Bewegung. Um 6.05 kommen wir tatsächlich in Gießen an. Das Aussteigen aus dem Zug gestaltet sich schwierig, die Tür ist kaputt. Warum sollte auf dieser  Reise auch mal etwas klappen? Schnell durch den Zug rennen zur nächsten Tür, bevor das Teil weiterfährt. Geschafft. Welch ein schöner Bahnhof, Bänke, ein Kiosk und eine erstklassige Buchhandlung, sogar einigermaßen warm ist es hier. Ruhe kehrt ein. Absolut übersichtlich, der Bahnhof hat nur 3 Gleise: 1, 2 und 11.  Nur die Information ist noch nicht besetzt. Warum auch, das hätte uns ja helfen können. Wir stöbern in den Zeitschriften im Buchladen und ehe wir uns versehen ist es 6.20 Uhr. Jetzt aber los, in 3 Minuten geht es weiter. Wir rennen zum Gleis 11. Der Zug wartet schon. Meine Füße tun weh. Abfahrt nach Siegen pünktlich um 6.23 Uhr. Irgendwie ist das komisch hier. Der Zug hält an jeder Miste, zuckelt so langsam vor sich hin und diese komischen Ortschaften?? Irgendetwas läuft hier schief. Mit der Geschwindigkeit brauchen wir Stunden oder gar Tage bis nach Siegen. Ein sehr netter und hilfsbereiter Schaffner kommt, um unseren Fahrschein zu kontrollieren. Auf Nachfrage teilt er uns mit, dass wir nach Fulda unterwegs und unterdessen mitten in der Pampa sind. Da wollten wir ja schon immer mal hin. Ist ja auch beinahe unsere Richtung. Knapp verfehlt. Von Optimismus keine Spur mehr. Er erklärt uns, dass wir am übernächsten Bahnhof aussteigen sollen, dann müssten wir 30 min warten und der nächste Zug auf Gleis 2 bringt uns wieder zurück nach Gießen. Von da aus geht es dann um 9.15 Uhr wieder ab Gleis 11 weiter nach Siegen. Im Bahnhof Grünwald könnten wir uns sogar in den Wartesaal setzen. Das ist doch was. Jeder einzelne Meter in Richtung Zuhause hilft uns weiter. Also in Grünwald raus aus dem Zug, und rein in den Bahnhof. Beinahe, denn der Bahnhof ist zu. Also warten wir auf dem eisigen, zugefrorenen Bahnsteig. Saukalt und zugig ist es hier. Die Müdigkeit macht uns schwer zu schaffen. Zu unserer vollkommenen Freude kommt eine Ansage, dass der Zug 5 Minuten Verspätung hat. 5 lange und kalte Minuten. Um Kurz nach 8.00 Uhr sind wir tatsächlich zum 3. Mal in Gießen. Jetzt noch 1 ¼  Stunde warten und es geht endlich nach Hause. Wieder in den Buchladen, die Verkäuferin hat uns direkt erkannt, noch eine Zeitung gekauft und einen Glühwein getrunken. Um 9.00 Uhr rollt unser Zug ein. Der Zug ist der richtige, aber gnadenlos überfüllt. Auch dieser Zug fährt erst mit 5 Minuten Verspätung los. Die Müdigkeit ist wirklich quälend. Das Aufhalten der Augen fällt richtig schwer. Um10.05 Uhr steigen wir endlich in Siegen aus. Ab hier ist es nur noch ein Katzensprung.

 

Fazit

Auf die Verbindungsauskunft der DB kann man sich nicht verlassen, was eine Zugreise zum Glücksspiel macht. Wir haben mehrmals eine definitiv falsche Auskunft erhalten.

Die Verbindungen zwischen 2 Großstädten wie Siegen und Frankfurt sind unzumutbar.

Wenn schon keine Züge fahren und man lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss, sollte die DB wenigstens im Winter den Wartesaal offen halten und Sitzplätze zur Verfügung stellen. Zumals an den Wachen so wie so nur „echte“ und zahlende Reisende vorbei kommen.

Die DB möchte ihr schlechtes Image aufbessern, in dem sie die Obdachlosen aus den Bahnhöfen vertreibt. Das geht aber voll zu Lasten der wartenden und zahlenden Fahrgäste. Die DB hat keine Obdachlosen mehr im Frankfurter Bahnhof, degradiert aber mit ihrer Image-Politik die wartenden Gäste zu ebensolchen, da den wartenden keine Wahl bleibt, als sich wie ein Penner in eine windgeschützte Ecke im Bahnhof zu verkriechen.

DAS KANN NICHT SEIN. Ich habe mich noch nie derart erniedrigt und unwohl gefühlt!!

Kurz: Eine Zugfahrt ist nicht nur sehr teuer, sondern viel mehr noch eine echte Zumutung.

Mich wundert es nicht, dass die Anzahl der Zugreisenden ständig zurückgeht. In dieser einen Nacht hat die DB allein in Frankfurt ca. 60  Fahrgäste verärgert. Nur weiter so…

Ich für meinen Teil werde jedenfalls keinen Zug mehr besteigen. EIN KUNDE WENIGER.

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